Begegnung mit Mohanji

An einem sonnigen Herbsttag kamen Mohanji und seine Familie nach Somaskanda Ashram. Wir alle durften Zeit mit ihnen verbringen und erlebten einen herrlichen Tag voller Freude, Satsang und Hingabe. Schau die Bilder an und lies einen Auszug aus dem Satsang, den Mohanji im Tempel hielt (Übersetzung aus dem Englisch).

Was geschieht im Tempel?

“Habt ihr euch je bewusst überlegt, was in einem Tempel aktiviert wird? Wozu braucht es überhaupt einen Tempel? Du weisst, dass es nicht einfach nur ein Ort für Verehrung ist. In jedem Tempel findet bewusste Aktivierung statt. Normalerweise funktionieren wir mit fünf Sinnen und einem Geist. Wenn Du das Abbild des Göttlichen anschaust, werden die Sinne der Augen aktiviert. Du spürst das Abbild und absorbierst seine Eigenschaften. Dann werden Räucherstäbchen, Parfüme und viele andere Dinge eingesetzt, die die Nase aktivieren. Beim Bhajan- und Mantrasingen werden die Ohren aktiviert. Wenn Chandan, Vibuthi und ähnliche Dinge offeriert werden, wird der Körper, die Haut aktiviert. Über den Prasad wird die Zunge aktiviert. Ein Mantra aktiviert den Geist und erhöht das Bewusstsein. Alles, was die Konzentration unterstützt, ist Mantra. Ein Tempel ist also nicht nur ein Ort für Verehrung, sondern auch der Verjüngung. Nach dem Betreten eines Tempels bist du nicht mehr derselbe.

Wie verbindest du dich mit einer Gottheit? Hier steht ein sehr mächtiger, lebendiger Prana Pradista (Somaskanda Murti). Betrachte das Abbild, vergegenwärtige dir das Bild im Geist, schliesse die Augen und verbinde dich mit dem dritten Auge. Das ist unsere Antenne, unser Übertragungspunkt. Was tun wir mit unseren Händen? Wir falten sie vor der Brust. Die Daumen zeigen zum Zentrum der Brust, zum Sitz der Seele. Hier im Zentrum der Brust, in unserem persönlichen Tempel sitzt ein Prana Pradista. Nun werfen wir uns vor dem Abbild, dem Prana Pradista, nieder. Was bedeutet das? Hingabe. Was gibst du hin? Wie gibst du dich hin? Kopf, Nase, Brust. Wenn Kopf-Nase-Brust hingegeben sind, hast du dich hingegeben. Ein aufrechter Kopf steht für Ego. Die Nase bedeutet Kriya, Existenz. Das Herz steht für die Spiritualität. Ego, Existenz und Spiritualität liegen auf einer Linie und sind Gott hingegeben. Was hast du sonst? Nichts. Wenn du alles hingegeben hast, bist du Eins mit Gott.

Kannst du mehr zu den Murtis erklären, und wie sich die Verehrung auf den Menschen auswirkt?

Bis die Energie einfliesst, ist ein Abbild des Göttlichen bloss ein Abbild. Wie unser Körber bloss ein Körper ist. Wenn die Seele nicht da ist, ist er nutzlos. Es gibt verschiedene Arten von Energieübertragung. Saraswathi hat nur die Veena und ein paar Bücher zur Verfügung, während Durga alle möglichen Waffen in den Händen hält. Die Waffen repräsentieren verschiedene Laster. Von einem Abbild erwartest du, dass Prana Pradista vollzogen wurde. Das ist im Prinzip eine Verbindung zwischen deinem dritten Auge und dem dritten Auge des Abbildes und zwischen seinem und deinem Herzen. Es entsteht eine kreisförmige Bewegung, eine Art Rotation. Ein Teil davon ist Hingabe, ein Teil Empfangen. Die Übertragung von deiner Seite ist Hingabe, und wenn du dich hingibst, wirst du leer. Von der Seite des Abbildes kommt Vervollständigung, das ist gleichbedeutend mit Gnade. Wenn du dich also hingibst, fliesst dir Gnade zu.

Was geschieht bei der Interaktion zwischen Menschen?

Es findet ein Kampf zwischen Schwerkraft und Schweben statt. Adi Shankara sagte in vier Zeilen:

Satsangatue Nissangatua
Nissangatue Nirmohatua
Nirmohatue Nischaladatua
Nischaladatue Jivenmokti

Satsangatue Nissangatua: Satsang bedeutet Austausch mit Wesen, die auf einem höheren Energieniveau sind, die eine höhere Frequenz haben, die sich eher in der Schwebe befinden. Nissangatua heisst Losgelöstheit.
Nissangatue Nirmohatua: Wenn du losgelöst bist, wirst du wunschlos.
Nirmohatue Nischaladatua: Wunschlos zu sein bedeutet nicht, deprimiert zu sein. Es bedeutet, dass es dir gut geht, und zwar unabhängig davon, ob etwas zur Verfügung steht oder nicht. Das ist etablierte Losgelöstheit. Es gibt keine Fluktuationen. Nischaladatua: Ruhe im Geist.
Nischaladatue Jivenmokti: Wenn der Geist still wird, tritt Befreiung ein.

Dies sind vier Zeilen, die uns zeigen, wie wir leben sollen. Interagiere mit Menschen von höherer Frequenz, deswegen ist Satsang so wichtig. Umgib dich mit Leuten, die dein Bewusstsein erhöhen, die dich leichter machen. Mit jenen, die dich bewusst machen, nicht unbewusst. Mit etwas, das dein Gewissen nicht belastet. Das ist das Rezept zur Befreiung. Was ist das Gegenteil von Satsang? Dussang, das bedeutet die Gesellschaft von Leuten, die dich hinabziehen. Stell dir dieses Szenario vor: Unser Geist beschäftigt sich nur mit materiellen Dingen wie Politik, Materie, Dinge, die schwer sind, die mit Schwerkraft assoziiert werden. Das führt zu Bindungen.

Kann man das vertiefen? Sind es nicht nur die Menschen, mit denen wir interagieren, sondern auch alles, was wir betrachten, lesen, sehen, worüber wir sprechen, ist es im Grunde das, womit sich unser Bewusstsein beschäftigt?

Es findet auf drei Ebenen statt. Es dringt durch deinen Mund als Essen, durch deinen Geist als Emotionen oder Gefühle, und durch deinen Intellekt als Wissen ein. Diese drei Dinge beeinflussen dein Leben. In deiner Arbeit im Hospice hast du zum Beispiel mit freiwilligen Helfern zu tun. Sie haben sehr gute Absichten, auch wenn sie wie jeder von uns eine Schwere mit sich tragen können. Du musst dich auf diese Interaktion einlassen und dich mit ihnen beschäftigen und ihr Bewusstsein anheben. Gleichzeitig bist du dir gewahr, dass sie dich hinunterziehen können. Wie kannst du dich schützen? Wie ermöglichst du ihr Aufsteigen, ohne dass du selber hineingezogen wirst? Die Schriften geben hier Antwort. Eine Marktplatz-Interaktion sollte durch Sadhana stabilisiert werden. Sadhana ist innere Ausrichtung wie Bhakti Yoga, Njana Yoga, Kriya oder jeder andere Sadhana. Mach zumindest Atemübungen, sing Gebete, meditiere oder etwas Anderes.

Im Weiteren sagen die Schriften: stabilisiere dich durch Hingabe. Ich bin nicht der, der dies tut, es geschieht durch mich hindurch. Was ist Hingabe? Was immer ich mit den Organen zur Bewegung, den Organen zur Wahrnehmung mache, was ich denke, sage, tue, ich lege es dir zu Füssen, oh Herr, oh Lord Narayana. Meine es von Herzen. Wir haben keine Kontrolle über die Art der Interaktionen. Wenn du auf deinen Tag zurückblickst, stellst du fest, dass du nichts mehr daran ändern oder rückgängig machen kannst. Du musst die Dinge so angehen, wie sie kommen. Bleib objektiv, verweigere nichts. Objektivität bedeutet: OK, es geschieht. Lass es mich bewältigen. Erstens bist du nicht der Handelnde, wenn du dich hingibst. Zweitens weigerst du dich nicht, noch weist du zurück oder widerstehst du. Und du vollbringst in Hingabe und Objektivität, nicht subjektiv. Du tust, was du tun musst, aber es ist ein Geschenk für Gott, ein Offering. Deine Arbeit wird zur Verehrung. Gib dich in der Nacht abermals hin. Ich gebe dir hin, was ich heute getan habe. Deine Reinheit, deine Objektivität, deine Absicht, alles ist rein. Was aussen ist, bleibt ausserhalb, was du bist bleibt inwendig stabil. So gibt es innerlich weniger Rückstände.

Es gibt noch weitere Wege, das, was du angesammelt hast, aufzulösen, wie zum Beispiel die Tiere zu füttern. Das ist alles Reinigung, Karma Yoga. Wenn du Priester bist oder Karma Yoga wie diese Marktplatz-Tätikeit machst, wird vorgeschlagen, zum Abbild des Göttlichen zu sprechen. Sag ihm: Schau, ich werde diese Arbeit auf dem Marktplatz verrichten, bitte begleite mich. Du tust es, nicht ich. Diese Art von Offerieren wird Freundschaft mit Gott genannt. Es ist wie eine Puja, aber eher, wie mit deinem Freund zu sprechen. So gleitest du durchs Leben. Auf diese Weise mache nicht ich. Du kommst und machst. So kann alles geschehen.”

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