Erlebnisse einer Pilgerreise zu Lord Ganesh

Am 7. Februar zogen wir los auf eine Pilgerreise zu Lord Ganesh beim Tempel – lies von den Erlebnissen einer Pilgerin und schau die Bilder dieses erfüllten Tages an.

Reise zum Tempel

Die schneebedeckten Bergspitzen verschmolzen mit dem weiss und grau marmorierten Himmel, als ich heute Morgen in Richtung Fideris fuhr. Die Wintersonne stieg langsam hoch und warf ihre Strahlen hierhin und dorthin, aber sie bot nur wenig Wärme. Ein kräftiger Wind ging und zwang mich, vorsichtiger zu fahren. Ich fragte mich, was die Elemente wohl für uns an diesem Puja-Tag beim Tempel bereithielten.

Die monatlichen Winterpujas bergen immer Unbekanntes. Wie wird das Wetter? Wird soviel Schnee liegen, dass man kaum die Eingangstüre findet? Wer und wie viele von uns werden kommen? Wird das Göttliche unter uns weilen und uns führen …?

Ich kam im Dorf Fideris an, wo die Passagiere die Busse besteigen und mit ihnen den Berg hoch fahren. Hier begann das eigentliche Abenteuer. Der Bus füllte sich mit fröhlichen Menschen voller Tatendrang, die auf den Berg wollten, um das Skigebiet und den Schnee zu geniessen. Skier, Schlitten, Rucksäcke, Snowboards und Taschen wurden in den Kofferraum des roten Heubergebusses mit Vierradantrieb geladen, und dann ging es los. Das war keine Fahrt für Feiglinge. Wir rasten mit unglaublicher Wendigkeit und Leichtigkeit die schnee- und eisbedeckte windgepeitschte Strasse entlang, während die ersten verwegenen Schlittler in der Gegenrichtung an uns vorbeizischten. Ein gutes Stück unterhalb der Bergstation, dort, wo der Tempelweg abzweigt, hielt der Bus an und liess uns „Pilger“ aussteigen. Jetzt war es Zeit, unsere seltsam aussehenden Schneeschuhe, die uns davon abhalten sollten, knietief in den Schnee einzusinken, anzuschnallen. Wir schlurften, alle mit Rucksäcken beladen, in Einerkolonne durch den schönen weissen Schnee und bewältigten den Aufstieg zum Tempel. Wir bewunderten das Spiel des Lichtes in der unglaublichen Winterlandschaft um uns herum und bewunderten die Fussspuren in den Schneefeldern, die Geschichten von wilden Tieren erzählten, die in einer solch unwirtlichen Umgebung ganz zuhause sind.

Verehrung

Als wir beim Tempel anlangten, erwiesen wir zuerst Lord Ganesh die Ehre, der stolz und geduldig da steht und wartet, der alle beschützt und willkommen heisst, die zum Tempel kommen. Im Essraum dann wurden freudig Rucksäcke ausgepackt und Offerings-Schalen mit Leckereien gefüllt. Der treue Klang der Glocke markierte den Start der Puja, die mit der Verehrung von Lord Ganesh draussen begann. Räucherwerk wurde offeriert, und Bhajans wurden gesungen. Rosenblätter wurden liebevoll geworfen, die dann in leuchtenden Farben auf dem schneebedeckten Boden verstreut zu Seinen Füssen lagen.

Für einen Vorbeigehenden muss es ein eigenartiger Anblick sein, hoch in den Bergen eine ausgefallene Gruppe von Menschen zu sehen, die in Wollsocken und Pantoffeln im Schnee stehen, mit Blütenblätter zum Werfen und Tamburinen bewaffnet sind und sonderbare Lieder singen. Was der Passant nicht sehen kann, ist das, was diese Gruppe an diesem winterlichen Sonntag in Wirklichkeit zusammengeführt hat. Nicht nur die unbeschreibliche Freude und Begeisterung an der gemeinschaftlichen Verehrung, sondern auch die Gelegenheit, zusammen einen unglaublichen Tempel und Pilgerort zu errichten.

Danach stiegen wir hoch zum Raum im Dachgeschoss, der den zukünftigen Haupttempel beherbergen wird. Ein kleiner Nataraj und eine Kerze stehen bescheiden an dem Ort, an sich dem eines Tages ein gewaltiges Gopurum, das ein Lingam und eine dreiköpfige Nag beherbergt, befinden wird. Nachdem die Tür sich geschlossen hatte, gewöhnten sich unsere Augen an die relative Dunkelheit, und wir sangen aus voller Kehle Lord Shiva zu Ehren. Wie immer war dies meine Lieblingsstelle in der Puja. Wenn ich dort oben meine Augen schliesse, scheint die Zeit stillzustehen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft scheinen zu Einem zu verschmelzen. Es fühlt sich an, als kämen und manifestierten sich die umliegenden Bergspitzen und all die fünf Elemente, damit wir sie verehren können.

Nachdem sich die Tempeltüre wieder geöffnet hatte, strömte das Licht, das durch den glitzernden weissen Schnee noch verstärkt wurde, herein und holte uns schlagartig auf die Erde zurück. In der Ferne hörte man die Freudenschreie der Schlittler und Skifahrer, die auf den Hängen herumrutschten und gelegentlich in lautes Lachen ausbrachen. Der letzte Teil der Puja fand dann im Seminarraum statt, wo der Altar steht. Wir sangen zusammen Gebete und Bhajans, und ein phantastisches Gefühl von Intensität und Harmonie füllte den Raum. Es fühlte sich gut an, die schönen Murthies, die auf dem Shrein stehen, zu verehren und das Bild unseres geliebten Guru Subramaniums, auf dem er uns zulächelt, zu betrachten.

Zusammensein und Heimreise

Nach der Puja stiegen wir glücklich in den Essraum hinunter und stürzten uns in ein herrliches Festessen aus Raclette und anderen köstlichen Leckereien, die aus dem Nichts auftauchten. Wir drängten uns gutgelaunt um den Tisch und genossen Wärme und Nahrung. Schnee wurde geschmolzen und für Tee abgekocht, und genauso rasch wie alles aufgetaucht war, wurde es wieder verräumt, und wir packten die Rucksäcke. Und schon war es Zeit, um die Schneeschuhe wieder anzuschnallen, den Berg hinunter zu gehen und nach Hause zu fahren.

Satsang & Videos

Dieser Beitrag ist auch verfügbar in: Englisch

2019-10-25T11:58:48+02:0018. Februar 2016|

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